Gelungener Online-Fachtag zur Kooperation von Jugendhilfe und Psychiatrie

Psychisch belastete junge Menschen brauchen verlässliche Übergänge, klare Kommunikation und Fachkräfte, die über Systemgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Genau diese Schnittstelle stand beim Online-Fachtag „Kooperation Jugendhilfe und Psychiatrie – Herausforderungen + Lösungen = gelingendere Praxis“ im Mittelpunkt.

Am 23. Juni 2026 kamen rund 40 Beteiligte aus Jugendhilfe, Psychiatrie, Psychotherapie, Sozialer Arbeit und angrenzenden Praxisfeldern digital zusammen, um sich mit einer Frage zu beschäftigen, die in der fachlichen Praxis seit Jahrzehnten aktuell ist: Wie kann Kooperation so gestaltet werden, dass junge Menschen nicht zwischen Zuständigkeiten, institutionellen Logiken und Versorgungslücken verloren gehen?

Ein Thema mit hoher Praxisrelevanz

Der Fachtag machte deutlich: Jugendhilfe und Psychiatrie begegnen häufig denselben Kindern, Jugendlichen und Familien – jedoch mit unterschiedlichen Aufträgen, Arbeitsweisen und professionellen Perspektiven. Während die Jugendhilfe Beziehung, Alltag, Schutz und Entwicklung in den Blick nimmt, bringt die Psychiatrie diagnostische, therapeutische und krisenbezogene Expertise ein.

Beide Perspektiven sind notwendig. Entscheidend ist jedoch, wie sie miteinander verbunden werden. Denn dort, wo Kooperation nicht gelingt, können Brüche entstehen: in Hilfeverläufen, in Beziehungen, in Verantwortlichkeiten und in der Versorgung junger Menschen.

Der Fachtag setzte deshalb bewusst nicht beim Defizit an, sondern bei der Frage nach Gelingensbedingungen: Was braucht es, damit Zusammenarbeit tragfähiger, klarer und wirksamer wird?

Fachliche Impulse, kritische Reflexion und Austausch

Daumen hoch für den ersten online Fachtag von Kooperationspartner*innen Dr. Volker Haase (links), Silke Schwartz (Mitte) und Christoph Pollmer (rechts)

Den Auftakt bildete ein fachlicher Input von Prof. Dr. Andreas Speck von der Hochschule Neubrandenburg zur Frage, warum die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie trotz langer fachlicher Diskussionen immer noch als „ewige Baustelle“ erlebt wird. Dabei wurden sowohl bestehende Herausforderungen als auch bereits bewährte Formen der Zusammenarbeit in den Blick genommen.

Im weiteren Verlauf beleuchtete Simon Wüthrich, Psychiater und Diplom-Pädagoge, die Perspektive der Psychiatrie. Im Zentrum stand die Frage, wie Psychiatrie die Jugendhilfe wirksam unterstützen kann – und welche Erwartungen, Grenzen und Systemlogiken dabei transparent gemacht werden müssen.

Ein weiterer Programmpunkt widmete sich dem kritischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Sozialen Arbeit. Christoph Pollmer, Gründer von Plasa, griff die Frage auf, ob KI Fachkräfte unterstützen kann, wenn Unterstützungsstrukturen nicht erreichbar sind oder komplexe Situationen schnelle Orientierung erfordern. Dabei stand nicht Technikbegeisterung im Vordergrund, sondern eine fachlich verantwortete Auseinandersetzung mit Chancen und Grenzen.

Am Nachmittag rückten Erfahrungen aus stationären Jugendhilfeeinrichtungen und psychiatrischen Versorgungsformen in den Fokus. Felix Heidtmann und Franziska Berthold von der GGP-Rostock gaben Einblicke in Bedingungen gelingender Kooperation, insbesondere dann, wenn es in Wohngruppen zu Krisen kommt und junge Menschen zusätzliche psychiatrische Unterstützung benötigen.

Abschließend nahm Eva Lüdemann, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, die Zusammenarbeit zwischen ambulanter Psychotherapie und Kinder- und Jugendhilfe in den Blick. Anhand praxisnaher Fragestellungen wurden Möglichkeiten, Grenzen und Stolpersteine interdisziplinärer Kooperation diskutiert.

Kooperation als gemeinsame Verantwortung

Der Fachtag zeigte: Gute Kooperation entsteht nicht zufällig. Sie braucht verlässliche Strukturen, gegenseitiges Verständnis, realistische Erwartungen und die Bereitschaft, die eigene professionelle Perspektive zu reflektieren.

Besonders deutlich wurde, dass Jugendhilfe und Psychiatrie nicht nebeneinander arbeiten sollten, wenn junge Menschen komplex belastet sind. Notwendig sind verbindende Formen der Zusammenarbeit, in denen Verantwortlichkeiten geklärt, Übergänge gestaltet und junge Menschen mit ihren individuellen Bedarfen ernst genommen werden.

Mit rund 40 Beteiligten bot der Online-Fachtag einen konzentrierten Rahmen für fachlichen Austausch, neue Impulse und praxisnahe Diskussion. Die digitale Durchführung ermöglichte eine niedrigschwellige Teilnahme und machte zugleich deutlich, wie wichtig Räume sind, in denen Fachkräfte über institutionelle Grenzen hinweg miteinander ins Gespräch kommen.

Ein wichtiger Impuls für die Praxis

Der Fachtag „Kooperation Jugendhilfe und Psychiatrie“ hat gezeigt, dass das Thema weiterhin hohe Aktualität besitzt. Psychische Belastungen junger Menschen, komplexe Hilfebedarfe und angespannte Versorgungssysteme machen Kooperation nicht nur wünschenswert, sondern notwendig.

Umso wichtiger sind Formate, die Fachkräfte zusammenbringen, Perspektiven verbinden und konkrete Ansätze für eine gelingendere Praxis sichtbar machen.

Der Fachtag setzte hierfür einen wichtigen Impuls – fachlich fundiert, praxisnah und mit dem klaren Ziel, die Zusammenarbeit im Sinne junger Menschen weiterzuentwickeln.

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