Internationale Soziale Arbeit über Grenzen hinweg: Austauschwochen mit Finnland vorgestellt und vor Ort erlebt

Dorina Mackedanz (links) vom International Office, Daniela Zorn (Mitte) und Herr Prof. Dr. Andreas Speck (rechts)

Vom 18. bis 22. Mai 2026 nahmen Studierende der Hochschule Neubrandenburg an einer internationalen Intensivwoche in Lahti und Helsinki teil. Acht berufsbegleitend Studierende der Sozialen Arbeit reisten gemeinsam mit zwölf Masterstudierenden Social Work der Hochschule Neubrandenburg in Begleitung von Prof. Dr. Júlia Wéber und ehemaligem IfW Geschäftsführer Ulf Groth nach Finnland. Dort trafen sie auf finnische Studierende und Professor*innen der LAB University of Applied Sciences sowie auf Studierende und Lehrende der Evangelischen Hochschule Berlin und der ELTE Budapest.

Parallel dazu wurde am 19. Mai 2026 an der Hochschule Neubrandenburg die langjährige Kooperation mit Finnland vorgestellt. Daniela Zorn und Prof. Dr. Andreas Speck präsentierten die Entwicklung der internationalen Austauschwochen, ihre fachliche Bedeutung für die Soziale Arbeit sowie die Weiterentwicklung des Formats im Rahmen von Blended Intensive Programmes.

Die Kooperation mit der finnischen Partnerhochschule blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erste Kontakte zur heutigen LAB University of Applied Sciences in Lahti wurden Anfang der 2000er Jahre durch Prof. Dr. Volker Kraft und Prof. Dr. Joachim Burmeister des Fachbereiches Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung der Hochschule Neubrandenburg gemeinsam mit dem IfW geknüpft. Aus diesen ersten Verbindungen entwickelte sich eine tragfähige internationale Hochschulkooperation, die bis heute lebendig ist. Ein wichtiger Meilenstein war die erste Finnlandreise im Jahr 2013. Seitdem sind die Austauschwochen fester Bestandteil internationaler Lern- und Begegnungsformate in der Sozialen Arbeit.

In der Präsentation wurde deutlich, dass diese Programme weit mehr als klassische Exkursionen sind. Sie schaffen intensive Lernräume, in denen Studierende unterschiedliche Wohlfahrtssysteme, professionelle Handlungsfelder und gesellschaftliche Herausforderungen miteinander vergleichen können. Gerade für die Soziale Arbeit ist dieser Perspektivwechsel zentral. Themen wie Kinderschutz, Migration, Familie, Inklusion, Diversität und soziale Teilhabe werden in verschiedenen Ländern unterschiedlich organisiert, diskutiert und praktisch umgesetzt.

Die aktuelle inernationale Intensivwoche in Finnland stand unter dem Thema „Inclusion and Diversity“ und war Teil des internationalen Studienangebots „Challenges for Child and Family Services“. Im Mittelpunkt standen aktuelle Herausforderungen in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie die Frage, wie soziale Dienste in verschiedenen europäischen Ländern auf gesellschaftliche Veränderungen, Diversität und unterschiedliche Lebenslagen von Kindern und Familien reagieren.

Salpausselkä-Schanze in Lahti, Finnland

Der erste Teil der Woche fand vom 18. bis 20. Mai in Lahti statt. Auf dem Campus der LAB University of Applied Sciences arbeiteten die internationalen Studierendengruppen gemeinsam an fachlichen Fragestellungen, stellten ihre Perspektiven vor und diskutierten unterschiedliche Ansätze Sozialer Arbeit. Besonders wertvoll war dabei der direkte Vergleich: Wie werden Kinder und Familien in Finnland unterstützt? Welche Rolle spielen Prävention, Inklusion und niedrigschwellige Hilfen? Und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen sich im Vergleich zu Deutschland und Ungarn?

Neben fachlichen Impulsen durch Lehrende und Expert*innen bot das Programm Raum für Gruppenarbeiten, Präsentationen und intensiven Austausch. Dabei wurde sichtbar, dass internationale Soziale Arbeit nicht allein durch Theorie entsteht, sondern vor allem durch Begegnung. Unterschiedliche berufliche Erfahrungen, Studienhintergründe und nationale Perspektiven wurden miteinander ins Gespräch gebracht.

Am 21. und 22. Mai wurde das Programm in Helsinki fortgesetzt. Dort rückten weitere fachliche und gesellschaftliche Perspektiven auf Kinder- und Familienservices in den Fokus. Exkursionen, Gastbeiträge und gemeinsame Reflexionen ermöglichten Einblicke in finnische Strukturen und Arbeitsweisen. Für die Studierenden bot sich dadurch die Gelegenheit, Fachwissen mit konkreten Praxisbezügen zu verbinden.

Berufsbegleitende Studierende vor der Zentralbibliothek Oodi in Helsinki, Finnland

Gerade für die berufsbegleitend Studierenden der Sozialen Arbeit war die Woche ein besonderer Lernraum. Viele von ihnen bringen bereits eigene Praxiserfahrungen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern mit. Im internationalen Austausch konnten sie diese Erfahrungen einordnen, hinterfragen und erweitern. Die Begegnung mit Studierenden und Lehrenden aus Finnland, Berlin und Budapest zeigte, dass Soziale Arbeit zwar überall mit ähnlichen Grundfragen konfrontiert ist, die Antworten darauf jedoch stark von gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Rahmenbedingungen geprägt sind.

Die Woche in Finnland und die begleitende fachliche Einordnung an der Hochschule Neubrandenburg machten gemeinsam sichtbar, was internationale Hochschulkooperation leisten kann: Sie eröffnet Perspektivwechsel, stärkt interkulturelle Kompetenz und fordert dazu heraus, die eigene professionelle Haltung zu reflektieren. Es geht nicht darum, ein anderes System vorschnell als besser oder schlechter zu bewerten. Entscheidend ist vielmehr, voneinander zu lernen und die eigene Praxis mit neuen Fragen zu betrachten.

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