• F39-2019
  • Do: 14.11.2019, 10-17 Uhr
    • Ingo Westerholt, Neubrandenburg
  • Fachkräfte der Sozialen Arbeit, des Gesundheitswesens und andere Interessierte
  • min. 14 | max. 20 Teilnehmer
  • 113,- € inkl. Kursmaterialien, Mittagessen u. Pausenerfrischungen
    So können Sie sparen ...
  • Anmeldeschluss ist der 11.10.2019
  • Neubrandenburg
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Nähe und Distanz in der helfenden Arbeit

Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärken

Die Arbeit mit Menschen ist immer auch eine Beziehungsarbeit. Eine bewusste Nähe und Distanz gelten als professionell, aber wo ist die Grenze? Viele Aspekte werden beleuchtet und Muster sowie Kontrollmechanismen aufgezeigt.

Worum geht es?

In der helfenden Arbeit geht fast nichts ohne eine vertrauensvolle Beziehung. Daher nehmen sich Helfer zunächst Zeit für einen Beziehungsaufbau. Der Klient muss als Mensch erlebt werden, seine Probleme müssen vor dem Hintergrund seiner Geschichte und seines Potentials erfasst werden. Dies dauert, ist ein Prozess. Der Helfer wird sich hier einstellen und auch mitfühlen, wird Reifungsdefizite sowie Probleme in der Beziehungsgestaltung und im Bindungsverhalten feststellen und eine helfende Beziehung als Arbeitsbeziehung anbieten. Dazwischen spielt sich die ganze Klaviatur von ambivalent bis gleichförmig, Intrigenspiel und ausgenutzt werden ab.

Viele Klienten können den Unterschied zwischen einer freundschaftlichen und einer Arbeitsbeziehung kaum erkennen. Insbesondere vereinsamte und/oder psychisch erkrankte Klienten deuten Interesse am Menschen und die helfende Hand als persönliche Zuneigung und sind tief getroffen, wenn der Helfer klare Grenzen zwischen Beruf und Privat zieht. Es kommt zu Zurückweisungen, Enttäuschungen, Übergriffen und zu Macht- und Ohnmachtsgefühlen. Wie klärt der Helfer dies beziehungsschonend? Wie viel Nähe, wie viel Distanz ist langfristig gut für den Klienten und den Helfer? Wie kann hierauf Einfluss genommen werden?

Klienten wiederholen oft ihre erlernten Beziehungsmuster und der Helfer gerät meist unbewusst in deren Rollen hinein. Er beruhigt, aber stabilisiert damit ein eingeengtes Miteinander. Hier gilt es die Beziehung zum Thema zu machen und am Modell Alternativen der Beziehungsgestaltung anzubieten. Dies werden wir uns beispielhaft an Klienten mit einer ängstlich-vermeidenden oder depressiv-antriebsarmen und einer intrigant-manipulierenden Borderline gefärbten Beziehungsgestaltung anschauen.

Weitere Aspekte:

  • Wie lasse ich mich verführen, über meine Grenzen hinweg zu gehen und immer wieder zu viel für einen Klienten zu leisten?
  • Was lasse ich körperlich, was seelisch zu? Wie lange lasse ich mich benutzen und warum?
  • Wie gehe ich mit kleinen Geschenken/Gefälligkeiten um?
  • Duzen oder Siezen? Private Informationen mitteilen – gerade auch in Hilfen die über Jahre dauern?
  • Mit manchen Klienten wird es schnell warm und herzlich, bei anderen bleibt es bis zuletzt unpersönlich und angespannt – warum und wie damit umgehen?
  • Wie kann man im Team aufeinander aufpassen? Was hilft, wenn ein Teammitglied nicht mehr merkt, dass er zu dicht dran ist oder sich innerlich schon vom Klienten zu sehr distanziert hat, sarkastisch oder abwertend geworden ist?

Ziel ist nicht ein Entweder-Oder, sondern die beiden Pole der helfenden Beziehung im Auge zu behalten und damit spielen zu können. Je nach Situation und Klient sollen die Beziehungsmuster bewusstwerden. Welche Rolle habe ich da, wer von uns bestimmt Nähe und Distanz, ist das wirklich noch hilfreich? Tut mir und dem Klienten das langfristig gut?